WJ-Stammtisch - ein etwas anderes Musikantentreffen am 25.06.2015

Erstmals hat sich ein Großteil der Elite der Musiker aus dem Landkreis getroffen − und auch gemeinsam musiziert. In der Gesprächsrunde mit den Wirtschaftsjunioren kamen zahlreiche Gemeinsamkeiten zu Tage. Neben kleiner Liedintermezzi begeisterten die Musiker mit einem gemeinsamen Spontanauftritt im Danibauerschen Biergarten. Ein nächstes Treffen wurde für den Vorabend des Freyunger Volksfestes 2016 vereinbart.

Die Wirtschaftsjunioren wollten wissen, wie es Musikern aus der Region geht, die von ihrer Kunst auch leben wollen und können. Heiner Kilger hatte zum Danibauer eingeladen, und ob des Interesses der Geschäftsleute hatten acht Musiker schnell und gerne zugesagt. In gemütlicher Runde erzählten die Gäste, die erstmals in dieser Formation gemeinsam in einem Raum waren, ihre Geschichten. Und natürlich wurde auch Musik gemacht.

Den Auftakt machte Elmar Sammer als "Dienstältester" der illustren Runde. Er hat seit 1976 sehr viel Nachwuchsarbeit geleistet, und unter den geschätzt 600 bis 700 Schülern, die durch seine Schule gegangen sind, waren auch zahlreiche bekannte Gitarristen. Seit 1985 bevorzugt Sammer die Jazzgitarre. Beruflich leitet er seine Modern Musik School Ostbayern in Freyung, schreibt für "Landluft" die Stücke selbst, musiziert in einer Gala- und einer Countryband in München. Sein neuestes Projekt nennt sich "Sammer of Love".

Christian Bojko – besser bekannt als Balboo – aus Spiegelau hat sich 1990 dem Heavy Metal verschrieben. Er wollte vogelwilden und lauten Punkrock spielen. Über das Zwieseler Jugendkaffee kam er dem Jazz und Blues näher, lernte Bass und absolvierte 1996 bis 1999 den staatlich geprüften Musiklehrer. Seit 2000 ist er mit einer kleinen, aber feinen Musikschule in Spiegelau und Perlesreut selbstständig. Daneben bietet er Trommelkurse für Manager an und musiziert noch in der Red Hot Chili Coverband.

Dominik Hilgart (Schönbrunn) zählte zu den besten Trompetern der Region. Er ist mit Blechblasmusik aufgewachsen, hat sich mit 18 zum staatlich geprüften Ensembleleiter ausgebildet und zum Musiklehrer für Blasinstrumente fortgebildet. Den Unterricht hat er offiziell angemeldet: Er kümmert sich um die Bläserausbildung im Landkreis. So geht er in 15 Landkreisschulen zu Jungbläsern und wirkt in zehn Musikvereinen mit. Neben seinen Privatschülern leitet er eine eigene private Musikschule, an der aktuell 13 ausgebildete Lehrkräfte knapp 300 Schülerinnen und Schüler unterrichten.

Basti Hackl (Mauth) von "Tom & Basti" hat nicht studiert, wie er sagt, sondern ist ab seinem 6. Lebensjahr mit der Steirischen aufgewachsen. Nachdem es mit der Arbeit nach der Lehre nicht so recht geklappt hat, sei er halt Berufsmusiker geworden. Aber nicht mit Rock oder Pop, sondern mit echter bayerischer Volksmusik. Aktuell schwimme das Duo auf der Welle der echten bayerischen Volksmusik, die bei der Jugend wieder gut ankommt. Daneben engagiert er sich zusammen mit Lebensgefährtin Laura Meneses vormittags in Schulen im Projekt "Bayerische Kindersingstunde". Tom Graf (Mauth) begann mit der Quetschn und war schon früh als Gstanzlsänger bekannt. Mit elf Jahren wandte er sich der Gitarre zu, um Punkrock zu spielen. Um an Geld für das Equipment zu kommen, musizierte er weiter, und fand sein Metier in alten echten Waidlerliedern, um diese nicht aussterben zu lassen. Er hat insgesamt vier Jahre in München und Regensburg studiert und seinen staatlich geprüften Leiter in der Popularmusik abgelegt. Seit 2006 leitet er auch die Liedertafel in Röhrnbach und organisiert die rund 250 Auftritte pro Jahr.

Uli Hansel (Freyung) hat Medientechnik − und nicht Musik − studiert. Dafür hat er einige Jahre bei Elmar Sammer Gitarre gelernt. Er spielt bei "Sammer of love" mit, bei Heartbeat, Jive und Jump. Er möchte gerne auch einmal mit Balboo auftreten, was trotz seiner bis zu 50 Einsätze als "Springer" in der Musikszene des Landkreises noch nicht geklappt hat. Zusammen mit Flo Hannig absolviert er als "Double Trouble" bis zu 50 Auftritte im Jahr und spielt dabei handgemachte Musik ohne Technik. Flo Hannig (Grainet) wiederum hat Kunstpädagogik studiert. Außer Blockflöte in der Grundschule war der Sohn musikalischer Eltern nicht vorbelastet. Mit 14 hat er – wie viele andere auch – Gitarrenunterricht bei Elmar Sammer genommen. Dessen Methode, für das Instrument zu begeistern ohne Druck auszuüben, hat Flo Hannig als Gitarrist zu Feedback, Jive und Jukebox geführt. Mit "Double Trouble" spielt er aktuell noch im Coverbereich, möchte später aber einmal mit eigenen Songs auftreten.

Die diplomierte Musicaldarstellerin Laura Meneses (Mauth) hat sich auch zur Gesangslehrerin ausbilden lassen. Darauf hat sie seit ihrem 11. Lebensjahr hingearbeitet, und bis 18 Gesangsunterricht genommen. Sie leitete einen Kinderchor und lehrte an der Kreismusikschule Passau musikalische Früherziehung. Heute geht sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten Basti Hackl mit dem Projekt "Bayerische Kindersingstunde" in die Schulen. Daneben gehört sie der Band "Jukebox" an, singt zahlreiche Hochzeiten im Jahr und hat auch ein Gesangsengagement im Röhrnbacher "Jagdhof".

Heiner Kilger begründete die Einladung mit der Frage, welche Hürden und Hindernisse es zu überwinden gilt, bis man als Musiker von der Kunst auch leben kann. Roland Müller stellte fest, dass Musiker und Selbstständige vor ähnlichen Problemen stünden. Hinter dem Ergebnis toller Musik steckt sehr viel Fleiß und Arbeit. Auch sei eine lange Durststrecke zu überwinden, um von der Musik leben zu können. Die Musiker hätten gerne zugesagt, so Tom Graf, weil es nicht unbedingt üblich sei, dass andere Berufsgruppen Interesse an den Problemen von Musikern hätten. Angesprochen wurden auch die Hürden, die sich privaten Musiklehrern im Vergleich zu öffentlichen Musikschulen in den Weg stellten. Die Musiker würden sich wünschen, dass auch Private in den Genuss von mietfreien Räumen und der Anrechnung von Bildungsgutscheinen kämen.

Damit die Musiker auch die Probleme von Selbstständigen kennen lernen, wurde ein nächstes Treffen am Vorabend des Freyunger Volksfestes 2016 vereinbart. Zum großen Finale gab es zur Freude auch der Hausgäste im Gastgarten eine Mondscheinserenade der besonderen Art: Jeder Musiker packte sich ein Instrument, und Laura überzeugte dabei mit ihrer perfekt ausgebildeten Stimme.

Quelle: PNP vom 07.07.2015




Bilder von Müller, Roland (Sparkasse Freyung-Grafenau):